Ausstellungseröffnung
Else Weil – Fragmente eines deutsch-jüdischen Lebensweges
"Wer war Else Weil?" steht auf einer Tafel am Eingang der Ausstellung. Viele Besucher waren zur Eröffnung am 13. November in das Kurt Tucholsky Literaturmuseum Rheinsberg gekommen, um Antworten auf diese Frage zu finden. Bis vor einigen Jahren war jene Frau, die als Figur der „Claire“ erstmals in Kurt Tucholskys Erzählung „Rheinsberg. Ein Bilderbuch für Verliebte“ in Erscheinung getreten ist und mit ihm gemeinsam dessen Erfolg prägte, völlig unbekannt. Die Ausstellung „Else Weil – Fragmente eines deutsch-jüdischen Lebensweges“ rekonstruiert erstmalig das Leben der ersten Ehefrau Kurt Tucholskys mit einer Fülle an Dokumenten, Indizien, Hinweisen und Erwähnungen.
Nach umfangreichen Recherchen, die die Ausstellungsmacher, Dr. Peter Böthig und Alexandra Brach, u.a. nach Frankreich, England, Kanada und in die USA brachte, entsteht das Bild einer selbstbewußten, attraktiven, geistreichen und humorvollen Frau: Else Weil verkörperte damals ein sensationell neues Frauenbild und zeigte sich nicht nur fiktiv, sondern auch in der Wirklichkeit der Weimarer Republik in vielfacher Hinsicht als fortschrittliche und emanzipierte Persönlichkeit: als Frau und als Jüdin. Else Weil war eine der ersten Medizinstudentinnen in Preußen. In zwei Artikeln der Zeitschrift „Die Weltbühne“ setzte sie sich als Ärztin mit den sozialen Problemen ihres Arbeitsalltags auseinander.
Die Darstellung der faszinierenden Lebensgeschichte Else Weils verbindet in fünf Kapiteln, „Herkunft“, „Medizinstudentin“, „Rheinsberger Claire“, „Berlin“ und „Emigration“, literarische und biographische Aspekte miteinander und zeigt dabei beispielhaft einerseits eine besondere Facette der Emanzipationsgeschichte der jüdischen Bevölkerung und andererseits das tragische Schicksal der Menschen und ihrer Bemühungen im Nationalsozialismus. Else Weils grausamer Tod im Konzentrationslager Ausschwitz erinnert an die Millionen Opfer des Völkermords an den Juden. Martina Münch, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur, wies daher in ihrem Grußwort auf die Bedeutung der Ausstellung hin: Die Schau trage dazu bei, Else Weil und mit ihr, viele andere Juden, nicht zu vergessen. Das sei besonders für die junge Generation wichtig.
Dank der Unterstützung des Moses Mendelssohn Zentrums Potsdam und vieler Leihgaben, u.a. der noch lebenden Nichte Else Weils, Gabriele Weil, die 1997 mit einem Eintrag in das Gästebuch des Museums den ersten Hinweis auf sie gab, vermittelt die Ausstellung an authentischen Zeugnissen, z.B. den letzten erhaltenen Brief an ihren Bruder vom September 1941, ein lebendiges Bild jener Frau, von der Kurt Tucholsky sagte, "ich war ein bisschen mit ihr verheiratet."
Laufzeit: 14. November 2010 bis 13. Februar 2011, Dienstag – Sonntag, 10:00 - 16:30 Uhr
Ort: Kurt Tucholsky Literaturmuseum Rheinsberg, Schloss Rheinsberg, 16831 Rheinsberg




